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AFVD-Präsident Robert Huber im Interview zum Rückzug der Hamburg Blue Devils

AFVD-Präsident Robert Huber

AFVD-Präsident Robert Huber

„Für die Liga ist es sehr ärgerlich,, wenn die Inkompetenz der vormaligen Entscheidungsträger vor Ort zu solchen Situationen führen.“

Wir hatten jetzt die Gelegenheit mit dem Präsidenten des AFVD, Robert Huber über die Lage der Liga nach der Ankündigung der Hamburg Blue Devils sich aus der GFL zurückzuziehen, zu sprechen.

AmFiD: Herr Huber, was sagen Sie zum Rückzug der Blue Devils?

Robert Huber: Offiziell wissen wir noch nichts davon. Wir haben zwar vom Verein eine telefonische Info vorab bekommen, aber solange keine schriftliche Bestätigung des Vereins vorliegt werden wir keine weiteren Schritte unternehmen. Es wurde noch kein Verein aufgrund einer Pressemeldung aus der GFL genommen.

Update: Inzwischen liegt dem AFVD eine schriftliche Erklärung der Blue Devils vor.

Laut der Veröffentlichung der Blue Devils Marketing KG soll die Forderung nach einer Sicherheitsleistung der KO-Schlag für die Blue Devils gewesen sein?

Eine Sicherheitsleistung ist ein probates Mittel und hat Hamburg schon bei der letzten Insolvenz getroffen. Sie wird z.B. immer dann verlangt, wenn ein Finanzierungskonzept nicht genügend dokumentiert ist. Wir brauchen eine Garantie für die restliche Liga.

Und wenn man einen Etat von 180.000 Euro aufstellt, dann aber nicht in er Lage ist eine Kaution im niedrigen zweitstelligen Bereich zu bestreiten, dann ist das kein KO-Schlag, dann liegt der Fehler im Konstrukt. Es ist doch so, wenn ein Investor kommt und sagt ich habe Geld und man dann fragt wo ist das Geld, zeig uns das Geld, es aber nicht kommt, dann ist dies seltsam und dann ist es richtig eine Kaution zu verlangen.

Kaution bedeutet der Verein hätte die Summe zurück bekommen?

Wenn der Verein die Saison ganz normal zu Ende gespielt hätte, hätte er die Kaution wieder zurückbekommen. Spielt der Verein die Saison nicht zu Ende würde aus der Kautionssumme versucht werden einen Notspielbetrieb bis zum Saisonende sicherzustellen. Damit z.B. die Busfahrten und die Platzmieten bezahlt werden können.

Gibt es Regressansprüche gegen die Blue Devils?

Das Lizenzstatut sieht eine Konventionalstrafe von 12.780 Euro vor. Darüber wird aber zu einem späteren Zeitpunkt im Verband entschieden, in der Vergangenheit wurde diese Strafe aber nicht verhängt. Wobei der letzte Fall schon 8 Jahre zurück liegt.

Und von Seiten der Vereine ?

Damals im Fall der Rüsselsheim Razorbacks haben die Vereine Regressansprüche geltend gemacht. Es kam dann zum Vergleich. Das sind dann aber zivilrechtliche Dinge. Da ist es natürlich die Frage ob es zielführend ist.

Wie geht es in der GFL weiter? Spielt die Liga mit 11 Teams?

Da wir noch nichts Offizielles vorliegen haben, ist diese Frage noch verfrüht. Wenn es aber so ist, sieht das Lizenzstatut vor, daß der Verlierer der Relegation, also die Cologne Falcons, einen Anspruch hätten nachzurücken. Dazu müssten aber zunächst die Falcons dies offiziell bekunden. Dann würde eine Prüfung stattfinden, ob der Verein für eine 1.Liga Lizenz in Frage kommt, der Etat müsste dort sicherlich aufgestockt werden. Auch müssten die Falcons wohl auch das Stadion wieder wechseln und und und. Wenn die Falcons verzichten könnte theoretisch sich auch ein anderer der sieben Zweitligisten melden. Die Wahrscheinlichkeit ist aber mit dem verbleibenden Vorlauf von 4 Wochen nur minimal.

Update: Die Cologne Falcons haben inzwischen erklärt in der GFL2 spielen zu wollen

In welcher Liga spielen die Blue Devils zukünftig?

Das Lizenzstatut sieht vor, wenn ein Verein sich aus einer Lizenzliga abmeldet hat er bis zum 31.12. einen Rechtsanspruch auf die höchste Klasse unter den Lizenzligen, in dem Fall die Regionalliga. Allerdings ist dieser Rechtsanspruch mit Fristablauf erloschen. Die Liga ist ja auch fertig, der Spielplan steht. Es ist dann eine Entscheidung des Spielverbund Nord. Die zweite Mannschaft müsste dann aufgelöst werden.

Und die erste Mannschaft zurückziehen und mit der zweiten Mannschaft in der Landesliga weitermachen um die Wechselsperre zu umgehen?

Das ist nicht möglich, es muss immer zuerst die zweite Mannschaft abgemeldet werden. Es kommt also immer zu einer Wechselsperre, die ja auch ihren Sinn hat, damit sollen die Vereine in Notsituationen geschützt werden. Keine Wechselsperre gibt es nur, wenn kein Spielbetrieb bei den Blue Devils stattfindet, also der Verein beide Mannschaften zurückzieht.

In der ersten Erklärung der Marketing KG war von einer möglichen Neugründung die Rede. Spinnen wir die Geschichte mal weiter, wäre es möglich die GFL Lizenz auf den neuen Verein zu übertragen?

Eine GFL Lizenz ist nicht handelbar, sondern nur die Erlaubnis am Ligabetrieb teilzunehmen. Die Lizenz ist nicht übertragbar. Eine Ausnahme wäre die Fusion von zwei Vereinen oder ein Abteilungswechsel, hier war aber der Stichtag der 31.12..
Dazu wäre bei einer Neugründung natürlich die Frage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu stellen. Wenn ein Investor 180.000 Euro auf den Tisch legen will, aber dann nicht in der Lage ist eine Kaution im unteren zweistelligen Bereich zu hinterlegen, ist dies fraglich.

Die Blue Devils haben den deutschen Football mit geprägt.

Es ist immer eine traurige Situation. Mir tut es persönlich sehr weh, ich hab damals, bei der letzten Insolvenz, auch ein „Rettet die Devils“ T-Shirt gekauft. Aber wir müssen das Wohl der ganzen Liga in den Vordergrund stellen.

Der Name Blue Devils sollte nicht sterben wenn der Verein sich, in welcher Liga auch immer, festigt und konsolidiert. Einige Vereine, wie die Munich Cowboys, Baltic Hurricanes, Düsseldorf Panther und Assindia Cardinals haben ja es schon vorgemacht. Das Potential ist bei den Blue Devils da, mit der Jugend, den Cheerleader und der zweiten Mannschaft.

Nur für die Liga ist es sehr ärgerlich, wenn die Inkompetenz der vormaligen Entscheidungsträger vor Ort zu solchen Situationen führen.

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