GFL

Siegfried Gehrke übergibt an Jordan Neuman

Siegfried Gehrke
Fotos: Stefan Mörkels (AmFiD)

Haller GFL-Team bekommt neuen Head Coach / Siegfried Gehrke soll Sportdirektor werden

Eine Ära geht zu Ende: Siegfried Gehrke beendet nach 26 Jahren seine Tätigkeit als Head Coach des Bundesligateams der Schwäbisch Hall Unicorns! Seine Nachfolger werden Jordan Neuman als Head Coach und Johannes Brenner als Defense Coordinator. Gehrke bleibt den TSG-Footballern als Sportdirektor erhalten.

Jordan Neuman

Foto: Stefan Mörkels (AmFID)

Am vergangenen Freitag informierte Siegfried Gehrke den Vorstand der Schwäbisch Hall Unicorns darüber, dass er sein Amt als Head Coach des GFL-Teams nach 26 überaus erfolgreichen Jahren abgeben möchte. Nachfolgen werden ihm als Head Coach Jordan Neuman, der auch weiterhin Offense Coordinator bleiben wird, und der bisherige U19-Cheftrainer Johannes Brenner als Defense Coordinator.

„Seit seinem Wiedereinstig bei uns vor drei Jahren war klar, dass Jordan Neuman als unser erster und einziger hauptamtlicher Trainer der potenzielle Nachfolger von Sigi ist“, sagt der Unicorns-Vorsitzende Jürgen Gehrke. „Wir hatten den Schritt in die Hauptamtlichkeit damals auch bewusst mit Jordan gewagt, weil wir uns sehr sicher waren, mit ihm diesen Plan umsetzen zu können.“ Aus Sicht des Unicorns-Vorstandes hat Neuman dies mit seiner Arbeit in den letzten drei Jahren, in der er im Hintergrund bereits mehr und mehr Head-Coach-Aufgaben übernommen hatte, bestätigt. „Wir sind sehr froh, dass Jordan diese Herausforderung annimmt. Ganz besonders auch deswegen, weil die Schuhe, die Sigi hinterlässt, sehr groß sind und da nicht jeder reinpasst“, sagt Jürgen Gehrke.

Tatsächlich ist das Erbe Siegfried Gehrkes beachtlich. Der 51-jährige Lehrer hat das Aktiven-Team der Unicorns 26 Jahre lang als Head Coach geleitet. Anfang der 90er Jahre sah er sich durch Ligareformen zunächst mit Abstiegen konfrontiert. 1995 begann mit dem Wiederaufstieg in die Regionalliga aber die Erfolgsstory der Unicorns unter Gehrkes sportlicher Leitung. 2001 absolvierte man die erste Saison in der GFL und erreichte seither bis auf einmal in jedem Jahr die Playoffs.

Siegfried Gehrke kann als dienstältester Head Coach in Deutschland in 16 Jahren GFL auf eine beeindruckende Bilanz verweisen: 150 Siege, 56 Niederlagen und 7 Unentschieden. Ergebnisse daraus sind sieben Süddeutsche Meisterschaften, sieben Halbfinaleinzüge und fünf German-Bowl-Teilnahmen. Zweimal (2011 und 2012) holte Siegfried Gehrke die Deutsche Meisterschaft nach Hall und 2015 schaffte sein Team den Sprung ins Eurobowl-Finale.

Darüber hinaus ist Siegfried Gehrke die Person, mit der der Football-Sport in Schwäbisch Hall wie mit keinem anderen identifiziert wird. Zu Recht, denn Gehrke war vor 36 Jahren der Initiator der Unicorns und seither der nimmermüde Motor der TSG-Abteilung. So wurde mit ihm als Cheftrainer zum Beispiel schon 1985 das Jugendprogramm der Unicorns gestartet. Für viele weitere wichtige Entwicklungsschritte der Haller Bundesligafootballer war und ist er verantwortlich.

„Die zeitliche Belastung und der Stress als Head Coach haben in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Da bin ich schon manchmal an meine Grenzen gestoßen“, sagt Siegfried Gehrke, der immer als ehrenamtlicher Coach tätig war. „Nun stehen mit Jordan Neuman und Johannes Brenner zwei junge, ehrgeizige und kompetente Coaches bereit, die diesen Job mindestens so gut wie ich machen können. Es ist nur folgerichtig, dass ich ihnen das Steuer nun guten Gewissens übergebe.“

Siegfried Gehrke soll und will den Unicorns aber erhalten bleiben. Geplant ist, dass er zukünftig als Sportdirektor im Unicorns-Vorstand wirkt. Schwerpunkt seiner Aufgabe soll die Koordination der sportlichen Belange und die Trainerfortbildung über alle Teams im Jugend- und Aktiven-Bereich hinweg sein. Genaue Festlegungen will der Vorstand dazu auf seiner Klausurtagung im November treffen.

„Ich freue mich auf die Aufgabe, vor der ich großen Respekt habe“, sagt Gehrkes Nachfolger Jordan Neuman. Der 33-jährige Amerikaner, der auch durch seine Familie schon lange in Schwäbisch Hall heimisch geworden ist, kam 2005 erstmals als Quarterback zu den Unicorns, für die er bis 2008 spielte. Nach Beendigung seiner aktiven Karriere wirkte er 2009 und 2010 als Offense Coordinator der Unicorns. Von 2011 bis 2013 wechselte er in derselben Position zu den Vienna Vikings nach Wien, mit denen er zwei österreichische Meisterschaften und einen Eurobowl-Titel gewann. Zur Saison 2014 kehrte er nach Hall zurück und übernahm wieder die Offense. Gleichzeitig wurde er in den Trainerstab der Nationalmannschaft berufen, mit der er im Juni 2014 Europameister wurde.

Neuman schätzt das Umfeld bei den Unicorns sehr: „Die Unicorns haben eine Organisation und eine Kultur, die eine sehr wertvolle Basis für meine Arbeit darstellen. Vieles davon haben die Unicorns Sigi Gehrke zu verdanken und ich will darauf aufbauen. Es wäre aber falsch, Sigi kopieren zu wollen. Das geht auch nicht“, sagt Neuman. “Trotzdem will ich an seine Tradition anknüpfen und dabei meine eigenen Akzente setzen.“

Neuman soll als Head Coach auch weiterhin für die Unicorns-Offense verantwortlich bleiben. Nachfolger als Defense Coordinator, der Siegfried Gehrke in den letzten zwei Jahren ebenfalls war, wird Johannes Brenner (33). Der frühere Nationalspieler und zweimalige Europameister ist seit elf Jahren Head Coach der Unicorns-U19 und hat mit den Juniors in jedem Jahr die Playoffs in der Jugendbundesliga erreicht. Achtmal holte er die Süddeutsche Jugendmeisterschaft und sechsmal schaffte es sein Team ins Halbfinale. In diesem Jahr krönte er seine Trainerleistung mit dem Gewinn der Deutschen Jugendmeisterschaft.

Nachfolger von Johannes Brenner als Cheftrainer der Unicorns-Juniors wird der bisherige U19-Defense-Coordinator Jan Schreiber. Der 35-jährige trainierte 2009 das U19-Defense-Backfield bevor er 2010 Defense Coordinator der U19 und der U17 wurde.

„Das ist ein Umbruch und eine Art Generationswechsel für uns“, sagt Jürgen Gehrke. „Jetzt zeigt sich aber einmal mehr, dass wir eine sehr gefestigte und solide Organisation haben und nicht nur bei den Spielern von unserer Jugend- und Nachwuchsarbeit profitieren. Wir sehen uns für die Zukunft und für die anstehenden Veränderungen gut aufgestellt, um an die Erfolge der letzten Jahre anzuknüpfen.“

Text: Axel Streich
Fotos: Stefan Mörkels (AmFiD)

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